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Die Restaurierung eines HANOMAG - Schleppers AR 38 am Beispiel des Schleppers Nr. 293 272

Als Nachfolger des 36-PS-Ackerschleppers erschien 1936 der AR 38. Im Gegensatz zu den 50-PS-Typen wurde bei den 38-PS-Schleppern das klassische Design mit dem typischen Dieselfass beibehalten. Wie sein Vorgänger wurde auch der AR 38 wahlweise mit Eisen- oder Luftreifen angeboten. Durch die kurze Endübersetzung und die niedrige Höchstgeschwindigkeit von 8 km/h war der Einsatzbereich des AR 38 eher die Feldarbeit als der Straßentransport. Einige Exemplare wurden auch mit Elastikreifen und ausklappbaren Spatengreifern ausgestattet. Für Arbeit in sumpfigen Gebieten konnte der Schlepper auch mit extra breiten Moorrädern geordert werden.

Serienmäßige Ausstattung:

Selbsttätiger Drehzahlregler, Hochleistungsluftfilter (Delbag-Luftfilter mit automatischer Oelbenetzung), Umlauf-Preßölschmierung mit dreifacher Oelreinigung, Oeldruckmanometer, Wasserpumpe, Kühlervorhang, Kühlerthermometer, Vorderachsfederung, gefederte stoßdämpfende Mittenzugvorrichtung, gewölbte Schutzbleche, Schneidkränze für Vorderräder, Winkelgreifer oder Spatengreifer, vollständiges Werkzeug, Laufringe für Straßenfahrt.

Sonderausrüstung:

Elektrische Anlasseranlage, Riemenscheibenantrieb hinten, schwenkbar, längs zur Fahrtrichtung, Differenzialsperre.

Der Straßenbruder war der AGR 38. er hatte eine Höchstgeschwindigkeit von 13,5 km/h. Serienmäßig war er mit Geländegetriebe, Ackerluftreifen und verbreiterten Schutzblechen versehen. Bei der Sonderausrüstung waren 3Scheinwerfer (2 vorn, 1 hinten), verbreiterter, gepolsterter Führersitz (1936 nannte man das noch nicht Fahrersitz?!), Riemenscheibe, hintenliegend mit ausrückbarem Antrieb, Zapfwelle mit Antrieb, obere gefederte Zugvorrichtung. Geteilte Hinterräder, Rübenräder, Radverbreiterungen etc.......

Oelfirmen machten sich zu der Zeit noch Gedanken darüber, wie ein solcher Schlepper abgeschmiert wird.

(s. Abschmierplan der Firma "Deutsche Vacuum Oel Aktiengesellschaft Hamburg)

Im Sommer 1989 war es soweit!!!!!

Wir hatten da Glück einen Hanomag-Schlepper AGR 38 auf einem Bauernhof zu entdecken. Nach langen, zähen Verhandlungen wechselte er den Besitzer.

Der Schlepper war mit einem Atlas-Lader ausgerüstet und wurde noch, nach immerhin fast 50 Jahren, sporadisch eingesetzt. Der Schlepper war arg ramponiert, eine Folge des Atlas-Laders. Irgendwann hatte er ein Teil des Schleppers erwischt und verbeult oder zerstört.

Aber diese Tatsachen taten unserer Glückseligkeit keinerlei Abbruch, immerhin hatte er ja ein 50-jähriges Arbeitsleben hinter sich welches so manche Narben hinterlassen hatte.

Da stand er nun, das Stück unserer Glückseligkeit in seiner vollen Pracht!!!!!!

Nach geglückter Überführung auf dem Hof angekommen. Im Hintergrund sind die original Eisenräder zu erkennen, die noch vorhanden waren.

Unser Hanomag-Experte Arnold am Steuer, er hat später den Motor überholt, der auch heute noch wunderbar läuft.

Wie aus dem Kraftfahrzeugbrief hervorgeht kostete der Schlepper im Jahre 1940 den exorbitanten Betrag von 6.268,85 RM (sicherlich hätte man für diesen Betrag auch ein Einfamilienhaus bekommen können). Dafür gab es jedoch nur Eisenräder, keine verbreiterten Schutzbleche, keine Frontscheibe und schon gar kein Schutzdach.

Die Eisenräder wurden im Mai 1946 gegen Gummireifen auf Gusseisernen Felgen ausgewechselt. Die verbreiterten Schutzbleche und ein Dach wurden montiert.

Eine Originalabbildung unseres Schleppers mit der Zulassungsnummer BN80-2137 (Britische Zone Niedersachsen 80-2137) konnten wir als Dreingabe bei Kauf aushandeln. Die Dorfjugend umringt die Fuhre mit "Maigrün"- sicherlich zum schmücken des Dorfes anlässlich eines Festes. (Das Bild fand ich so hinreißend, dass ich es zum festen Bestandteil des Internetseite gemacht habe)

Der Schlepper wird zerlegt und jedes Teil wird in mühevoller aufgearbeitet um eine gute Passung aller Teile zu garantieren.

Danach haben wir wieder alles abgebaut und zur Lackierung vorbereitet. Auf dem nächsten Bild kann man die Hilfskonstruktion erkennen die nötig war um den Motor und den Getriebeblock bearbeiten zu können.

Die Drehmaschine wurde kurzerhand zum Pumpenprüfstand modifiziert. Neben dem Bierkasten ist der ausgewechselte Nockenring aus der Hanomag-Einspritzpumpe gut zu erkennen.

Auf diesem Bild sind die Präzisionsmessbehälter für die Einspritzanlage gut zu sehen.

Bevor der Schlepper zur Lackierung demontiert wurde mussten wir die Funktionsfähigkeit sicherstellen. Das war ein Moment voller Spannung, würde sich doch im nächsten Moment herausstellen ob unsere Mühen von Erfolg gekrönt waren.

Es "fungsionierte" tatsächlich und die Lackierung konnte beginnen. Hier der grundierte Rumpf.

Weitere Teile wurden lackiert und montiert. Rohrleitungen und die Verkabelung waren ein weiterer Meilenstein.

Nach 3 (in Worten: drei) Jahren Restaurierungsarbeiten erstrahlte unser AGR 38 endlich in der Frühlingssonne in vollem Glanz.

Hier ist der glückliche Besitzer, Restaurator und Fahrer, endlich mal im weißen Hemd ohne oelverschmierte Hände mit seinem AGR 38 zu sehen.

 

Da der AGR 38 nur eine Höchstgeschwindigkeit von 13,5 km/h erreicht und dieses Tempo in der heutigen Zeit für den Straßenverkehr längst nicht mehr ausreichend ist und wir doch unser gutes Stück auf div. Treckertreffen vor- und ausstellen wollten, musste also eine Transportmöglichkeit her. Diese schufen wir in Form dieses speziellen Tiefladers.

Hier sehen wir den Schlepper beim Verladen. Vor dem Tieflader liegen die Spannbügel der Vorderräder.

Auf den Treckertreffen begegnen uns dann ältere Landwirte, die mit einer Träne im Augenwinkel berichten, dass sie in ihrer Jugend mit so einem Hanomag AGR 38 die Feldarbeit verrichtet haben.

Selbst die holde Weiblichkeit kann sich dem Charme dieses Schleppers nicht entziehen. Nach kurzer Einweisung wird das Gerät von zarter Hand ohne Probleme vorgeführt.

Zum guten Schluss noch ein paar Gedanken und Anmerkungen zu und um die Restaurierung des     AGR 38

Es ist Tatsache, dass es nicht sehr viele Schlepper diesen Typs gibt, die bis zum heutigen Tage "überlebt" haben. Ein Grund für unseren Schlepper ist sicherlich die Qualität und Zuverlässigkeit der Hanomag-Produkte. Der Besitzer eines AGR 38 hat sich nur nach einem Totalschaden an Motor oder Getriebe von seinem "Guten Stück" getrennt. Dann war der irdische Weg zum Schrotthändler vorgezeichnet.

Unser Schlepper hatte durch den Atlas-Lader eine gute Überlebenschance. Die schwere Feldarbeit blieb ihm erspart, er wurde nur noch sporadisch eingesetzt.

Uns hat der Schlepper bis zum heutigen Tage nur Freude gemacht. Er springt zuverlässig, auch nach Wochen wieder an. Die Lenkung ist Leichtgängig. Ein kleiner Wermutstropfen sind die lauten Getriebegeräusche, aber was will man von gerade verzahnten Getrieberädern verlangen.