LINING´s HANOMAG Seiten

Schon im Jahre 1933 entwickelte die Hanomag eine moderne Straßenzugmaschine mit  55 PS Motorleistung. Dieser leistungsstarke Diesel-Schnelltransporter bekam die Typenbezeichnung "SS 55". Durch die bis zu 40 Km/h hohe Geschwindigkeit war er im Transportgewerbe vielseitig einsetzbar.

Die SS 55 bestand aus einem U-Rahmen mit vier gleichen Rädern in der Größe 7.50 x 20. Als Motor wurde der von Schargordski entwickelte D 52 Motor verwendet, der 55 PS bei 1500 U/min leistete.

Das Getriebe, eine Hanomag-Eigenkonstruktion gab es in drei Varianten, mit 26, 33 oder   40 Km/h Endgeschwindigkeit. Die Kraft wurde vom Motor auf das Vierganggetriebe mittels einer Einscheiben-Trockenkupplung übertragen.

Den Fahrkomfort erhöhte das geschlossene Fahrerhaus mit zwei Türen und einem aufstellbarem Frontfenster auf der Fahrerseite. Auf Wunsch konnte eine Druckluftanlage sowie eine Seilwinde mit 3,5 t Zugkraft geordert werden.

Lassen wir doch jetzt unsere SS 55 mal selbst erzählen!

Bei der Hanomag in Hannover wurde 1933 die Serie SS 55 - Zugmaschinen aufgelegt, mit der mein Werdegang beginnt. Meine erste konkrete Wahrnehmung begann mit dem feldgrauen Anstrich für den Einsatz bei der deutschen Wehrmacht.

Als große Zugmaschine wurde ich vor Kanonen und schweren Anhängern gespannt. Auch Russlandschlamm habe ich zur genüge kennen gelernt. Auf dem Rückzug, der uns in die Heimat bringen sollte. wurde Tag und Nacht in großer Kälte gefahren. In einem Waldstück in Mecklenburg-Vorpommern ging mir der Treibstoff aus, der Tank war total leer.

Zunächst wurde ich beschimpft und dann meinem Schicksal überlassen. Nach vielen, vielen Wochen unter freiem Himmel und in Eiseskälte kamen endlich "Blaumänner" und machten mich wieder fahrbereit. So kam ich zu einer Schausteller-Familie und zog jetzt brav Karussells und große Wohnanhänger.

Später wurde ich an eine Ziegelei verkauf. Dort musste ich in der Tongrube Schwerstarbeit leisten, bis mir das Getriebegehäuse platzte.

Es verging geraume Zeit bis "Dunkle Gestalten" mich entführten, schließlich landete ich in Hamburg. Die Polizei fand mich dort wieder ------ so ging es zurück in die Tongrube.            Zu meinem Glück fand mich Jürgen, mein heutiger Boss und neuer Besitzer, er hat mich ehrlich erworben.

Er hat mir ein zweites Leben geschenkt. Jetzt führe ich das Leben eines Rentners, ich darf mich lange, lange ausruhen und stecke doch immer noch voller Elan wenn es dann mal los geht, vor großen Anhängern habe ich heute keine Angst mehr!

 Mein Zustand nach meinem ersten Leben 


  Auch mein Innenleben war arg ramponiert


  


  Hier ganz nackich!


 Von der Fa. Veteranenwerkstatt Dreyer in Alfeld hat mir Jürgen eine neues Führer- Fahrerhaus spendiert.

(mein erster Maßanzug)

 


 Meine zerschlissene Kühleratrappe mit den genieteten Reparaturblechen 

 Hier schon überarbeitet mit den Passarbeiten der Motorabdeckung 


 In der Aufbauphase, noch ohne Türen und vordere Kotflügel, aber schon mit Winkern! 

 Hier bin ich mit Jürgen, meinem Boss zu sehen

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er hat mich doch wirklich wider gut hinbekommen?!

 


Um eine optimale Betriebsbremse zu schaffen, wurde der Hauptbremszylinder ausgetauscht. Jürgen hat mir ein Zweikreis-Hauptbremszylinder mit Luftunterstützung vom Unimog U 406 spendiert.

Mir bremst heute keiner mehr was vor!

Das größte Problem war das fehlende Getriebe (in der Tongrube geplatzt). Jürgen hat mir aber aus einem defektem Getriebegehäuse, einer großen Kiste mit Zahnrädern und Wellen von der Fa. Maschinenbau Jens Kämpfe in Auetal ein Getriebe instand setzen lassen. Jens hat sogar einige Zahnräder und Wellen für mich nachgebaut!

Mein Motor und die Hanomag-Einspritzanlage wurden generalüberholt. Meine Seilwinde bekam neu gefertigte Antriebszahnräder. Ein paar fehlende Sprengringfelgen wurden ersetzt. Mein nicht vorhandener hinterer Aufbau, mit Tank, Reserverad und Werkzeugfach (heute Barfach) wurde extra für mich von Jürgen nachgefertigt.

Mein Augenlicht und meine gesamte Elektrik habe ich dem Hermann, dem Guten, zu verdanken, er hat mich völlig neu verkabelt. Selbst meine Winker, auf die ich sehr stolz bin "fungsionieren" wieder einwandfrei.

Ich bilde mit dem Körting-Tieflader (7,5 t ) ein Gespann, das ist genau die richtige Gewichtsklasse für mich. Neben Jürgen und Hermann ist Bernd mein bester Freund, wenn es dann endlich mal wieder auf Tour geht, sitzt Bernd bei mir auf dem Bock und hat mein Steuer fest in seinen starken Händen (keine Servolenkung!). Die 200 Km von Moringen bis zum Museumsdorf Hösseringen legen wir beide dann in einem Höllentempo und in ca. 9 Stunden zurück. Da kann ich dann mal wieder alles was in mir steckt zeigen, wir wird so richtig warm ums Herz (im Motor) und ich schreie meine Lebensfreude aus vollem Hals heraus . Dies scheint Bernd jedoch nach spätestens zwei Stunden etwas zu nerven, er fängt dann immer an, alle Kinderlieder, an die er sich noch erinnern kann, zu grölen ....... manchmal ist das schon grenzwertig, schließlich ist auch eine SS 55 sensibel und hat  Nerven auf denen man nicht so herum trampeln kann.

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich mich hier in Moringen bei Jürgen und seiner Trecker-Gang sauwohl fühle. Ich stehe unter Dach, habe nette Kollegen aus dem gleichen Stall (Hanomag) werde beim Waschen ausreichend gestreichelt, es gibt nette Ausflüge mit leichtem Gepäck und ich kann meiner Zukunft gelassen entgegen sehen, da lässt sich auch das Gegröle von Bernd schon mal ertragen.


Jetzt noch einige unkommentierte Impressionen