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Der "Kleinzugwagen SS 20"

wurde 1937 von der Hanomag in das ohnehin recht umfangreiche Fertigungs-programm aufgenommen.

Kunden (Zielgruppe) für dieses Fahrzeug waren Mühlenbetriebe, Kohlenhändler und Speditionen.

Die Basis für die Grundkonzeption waren die "Großen Brüder", nämlich die SS 55 und die SS 100.

Der von Ing. Lazar Schargorotzky entwickelte Dieselmotor Typ: D 19 leistete bei 2000 U/min. 19,8 PS. Mir diesem Motor wurde 1938 bei dem 24-Std.-Rennen in Spa, mit dem Hanomag PKW "Rekord" eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 82,3 Km/h erreicht.

Der Hanomag-Konstrukteur Karl Haeberle fuhr auf der Autobahn von Dessau nach Bitterfeld insgesamt vier Weltrekorde:

  • 5 Km fliegender Start           155,940 Km/h
  • 5 Meilen fliegender Start      155,550 Km/h
  • 1 Km stehender Start             86,870 Km/h
  • 1 Meile stehender Start          98,481 Km/h

Der D-19-Motor war nur leicht "frisiert", hatte aber eine aerodynamische Karosserie von Jaray. Diese Weltrekorde waren mit die größten Erfolge der hannoverschen Dieselmotoren-Konstrukteure.


Carl Häberle / 1939 / Finnland


Die SS 20 wurde mit einem Viergang-Getriebe, jedoch in zwei Varianten ausgeliefert. In einer 24 Km/h- und in einer 30 Km/h-Variante. Die 30 Km/h Version wurde dann auch immer mit einer Luftbremsanlage ausgestattet um beim Anhängerbetrieb die nötige Bremsleistung zu entwickeln.

Karmann in Osnabrück baute zwei unterschiedliche geschlossene Führerhauskabinen, die beide zwei Türen mit versenkbaren Fensterscheiben hatten. Im kleinen Führerhaus hatten 2 - 3 Personen, im großen Führerhaus hatten 3 - 4  Personen (wenig) Platz.

Die Zugleistung von 7,5 t bei 20 Km/h war für diesen kleinen Schlepper enorm hoch. Die SS 20 wurde von 1937 - 1942 in 2.440 Exemplaren gebaut. Nach dem Krieg (die Kurzbezeichnung SS war negativ besetzt) wurden unter der Bezeichnung ST 20, bis zum Jahre 1950, 818 Exemplare hergestellt.

Die Reanimation unserer Hanomag-Zugmaschine SS 20

Nachdem wir über mehrere Jahre in Scheunen, Treckerschuppen, alten Industriehalle, auf jedem Treckertreffen und jedem Ersatzteilmarkt erfolglos Ausschau nach einer SS 20 gehalten haben, bekamen wir auf dem Treckertreffen in Hänigsen einen heißen Tipp.

Ein bekannter Hanomag-Händler in Norddeutschland löste seine Fahrzeugsammlung auf. Wir kamen rechtzeitig und konnten unsere SS 20 erwerben. Das Fahrzeug war von langjähriger Benutzung und harter Arbeit stark gezeichnet!

  
  
  
  


Wir hatten die Hoffnung, dass unser Schätzchen zumindest technisch noch in einem recht passablen Zustand war. Im Verlauf der Bestandsaufnahme mußten wir jedoch diese Hoffnung aufgeben. Wir sahen uns gezwungen, eine komplette Demontage mit anschließender Grundüberarbeitung zu beginnen.

Der Motor (Typ D 19) kam zur Überholung in eine Fachwerkstatt.

Die Vorderachse hat der Maschinenbaubetrieb Jens Kämpfe in Rolfshagen teilweise erneuert bzw. neu ausgebuchst.

Die gesamte Bremsanlage ist als Zweikreis-Bremse komplett ersetzt worden.

Die defekte Hinterachse wurde ausgetauscht.

Der Fahrzeugrahmen war im Bereich der Vorderachse stark beschädigt. Auch hier mußte repariert, verstärkt und neu aufgebaut werden.

Alleine die Blecharbeiten (teilweise Neuanfertigungen) am Führerhaus, den Türen und der hinteren Kotflügel haben mehr als ein Jahr in Anspruch genommen.

Die hölzernen A-Säulen waren durch Feuchtigkeit abgefault und nicht mehr vorhanden. Sie wurden durch Neuanfertigungen aus Stahlblech ersetzt.

Original-Instrumente für das Armaturenbrett konnten wir in Österreich kaufen.

Hermann wurde mit der kompletten Elektroanlage betraut. Zeitmangel bei ihm führte dazu, dass diese Arbeiten ( z.B. Blinker, Winker, Warnanlage 12/24 Volt-Umschaltung für den Anlasser etc.) in den späten Abendstunden erledigt wurden.

Die Original-Lackreste hinter und unter dem Kraftstofftank haben uns die Bestimmung des Farbtones sehr erleichtert. Wir haben einen, an "Hanomag-Maschinen-Grau" angenäherten "RAL-Farbton" verwendet. Für die Lackierarbeiten war Bernd zuständig.

Da unsere SS 20 eine 30 Km/h Maschine ist (s.o.) wurde auch die Luftbremsanlage erneuert.

Der Luftkompressor wird vom Getriebe-Nebenantrieb über einen Keilriemen angetrieben.

Mit der Luftbremsanlage wird nur der Anhänger gebremst, die Zugmaschine nicht.

Dieses Projekt, das nur in vernetzter Gemeinschaftsarbeit möglich war, war sehr zeitaufwendig und die Beschaffung der Ersatzteile war manchmal extrem mühsam.

Diese kleine Zugmaschine hat uns zeitweise stark gefordert und in technischer Hinsicht auch schon mal die eigenen Grenzen aufgezeigt.

Nun sind wir größtenteils mit der Arbeit fertig. Rückblickend war auch die Zeit an unserer SS 20 eine sehr schöne Zeit. Wir wollen jetzt im Sommer 2008 ff. die Ausfahrten genießen und uns an der alten, reanimierten Technik erfreuen. Der Platz hinter dem Lenkrad ist doch sehr, sehr begrenzt, ich hoffe, dass der begrenzte Platz (für den Bauch) bei unseren Trink- und Essgewohnheiten noch lange Zeit ausreichend sein wird.